momentaufnahme #6

In meinem Kopf war es in den letzten zwei Wochen verhältnismäßig ruhig.
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Lebensmüde

Ich bin müde vom Nachdenken.
Müde vom Wahrnehmen.
Müde vom Aufstehen
und vom Schlafen gehen.

Müde vom Können, aber nicht Wollen.
Müde vom Wollen, aber nicht Können.

Ich bin müde vom Kämpfen.
Vom Sagen: Jetzt ist Schluss.
Müde von der Sehnsucht
und müde vom Überfluss.

Müde vom Reden.
Müde vom Zuhör’n.
Ich bin müde vom ganzen Erklär’n.

Ich bin müde von den Fragen.
Von deinen, sowie meinen.

Ich bin müde vom Weitermachen.
Müde vom Durchhalten.
Müde vom Pausieren
und vom Kapitulieren.

Müde vom Fühlen.
Müde vom Wühlen
…in den Wunden, die nicht heil’n,
sondern rot- tropfend weiter wein‘.

Ich bin müde vom „immer-anders-sein“ ohne mich zu verändern.
Müde vom Finden
und wieder Verlier’n
und vor allem vor allem vom ständigen Kentern.

Ich bin müde von den Lügen,
in denen so viele Wahrheiten stecken.
Müde vom Anpassen.
Und müde vom Anecken.

Müde vom Verstehen
und doch Nichts wissen.
Müde vom Ankommen,
vom Weggehen
und vom Vermissen.

Ich bin müde vom Blick in den Spiegel
…vom Suchen der Liebe.

Müde vom Sitzen hinter Gittern aus Gedanken,
die nicht mir gehör’n und ich doch ihr Ursprung bin.

Ich bin müde von Schuld. Von Scham.
Vom Haltung bewahr’n.

Müde vom Allein sein unter hunderten von Leuten.
Müde vom Lachen, weil sie es so wollten.

Müde vom „so tun als ob“
und es wirklich so meinen.
Müde vom Zurückhalten
und müde vom Weinen.

Ich bin müde vom Zweifeln.
Vom Versuch zu begreifen.
Müde vom Hoffen und Glauben
und mich dann wieder nicht trauen.

Ich mach das alles für euch.

Aber Nichts für mich.

Wer auch immer das sein mag

– dieses ICH.