Klinik- Ja? Nein? Vielleicht?

Ich bleibe während der gesamten Therapiedauer frei von:
1. Alkohol, Nikotin, sonstigen Drogen
2. selbstverletzendem Verhalten
3. Exklusivbeziehungen (sich dauerhaft aus der Therapeutischen Gemeinschaft herauszuziehen und sich während der Therapie ausschließlich auf eine Zweierbeziehung zu beschränken)
4. erotischen Annäherungen und sexuellen Kontakten
5. Fernsehen, Kino, Radio, CDs, MP3s
6. Glücks- und Geldspielen
7. elektronischen Medien wie Computer, Tablets, Laptops sowie Handys (telefonieren nur außerhalb des Klinikgeländes)
Quelle: http://www.dr-reisach-kliniken.de

 
Ergänzend zu den allgemeinen Auflagen der Klinik, gibt es ein paar Dinge, die für mich noch relevant sind:
– Sofortige Abstinenz von Zopiclon und Tavor (Beruhigungs- und Schlafmedikation bei Bedarf)
– Leben- Vertrag unterschreiben (dieser Vertrag besagt, dass ich bis und während des Klinikaufenthaltes sofort Hilfe suche, sollten Suizidgedanken oder Selbstverletzungsdruck auftreten)
– Keine Aufnahme ab einem individuell bestimmten Gewicht
– Zigaretten bis zur Aufnahme auf 3 pro Tag reduzieren (empfohlen)
– Regelmäßige angemessene Mahlzeiten

All diese Auflagen waren mir bewusst, als ich die Anmeldung abgeschickt habe. Und ich finde dieses Konzept auch immer noch sehr gut.
Allerdings ist es natürlich mit einer Menge Angst verbunden.

Was, wenn ich es nicht schaffe?

Ergänzend zu meinem Instagram Beitrag von gestern, folgen nun meine Gedanken zur Klinikaufnahme, nach der heutigen Therapiestunde.

Welche Erwartungen habe ich an den Aufenthalt? Welche Sehnsüchte bringe ich mit?
Welches Prinzip liegt für mich auf dieser Klinik?
Was erwarte ich von mir? Von Mitpatienten? Von Behandlern?
All diese Fragen haben wir, so gut es geht, versucht zu klären.

Außerdem ging es heute um den Druck. Von außen. Und von mir selbst.
Denn in den Ängsten und Freuden darüber, dass es nun wieder einen Schritt vorwärts zu gehen scheint, stecken auch Erwartungen an mich.
…dass es endlich besser wird.
…dass es diesmal Erfolg bringt.
…dass es klappt.
…dass ich durchziehe.
…dass ich es schaffe.

Wir haben viele Umkehrungen gemacht und eigentlich ist meine Entscheidung klar.
Denn wenn ich diese Erwartungen außen vor lasse, dann würde ich wohl keine Sekunde zögern dort hin zu gehen.

Denn was ist, wenn das alles keine Rolle spielt?

Wenn ich es nicht „schaffe“? Wenn es halt einfach nicht das Richtige für mich ist.
Was ist, wenn es nur um mich geht und ob ich mich wohlfühle? Wenn ich gehe, wenn es nicht passt, ohne schlechtes Gewissen. Mir das Recht eingestehe zu prüfen und gegebenenfalls festzustellen, dass es nicht meine Welt ist. Dass meine Bedürfnisse bei diesen ganzen Auflagen nicht umgelenkt und aufgefangen werden können.

Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
– Dass das, was durch die fehlende Ablenkung hochkommt nicht umgelenkt, aufgefangen oder ausgedrückt werden kann und ich somit die Klinik verlassen muss, um mich selbst zu schützen.

Was ist das Beste, das passieren kann?
– Dass ich mich dort wohlfühle und aufkommende Gefühle verarbeiten kann, sodass es mir nach dem Aufenthalt besser geht.

 

Das hört sich jetzt vielleicht für den ein oder anderen so an, als würde ich schon davon ausgehen, dass es in irgendeiner Art und Weise schief geht.
Aber so ist es nicht. Ich habe mir die Klinik selbst ausgesucht, gehe dort freiwillig hin und möchte weitere Schritte in Richtung Leben machen.

Natürlicherweise ist es halt leichter mit Hoffnung umzugehen, als mit Angst. Und da die Angst seit gestern ziemlich groß war, lag der Fokus darauf zu schauen, was denn dahinter liegt.

Leben- mehr als nur zu überleben.

Ob dieser Text nur in meinem Kopf einen Sinn ergibt oder ob irgendjemand etwas daraus ziehen kann weiß ich nicht.

Lasst es mich gerne wissen!

 

Tschao Kakao
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3 Kommentare zu „Klinik- Ja? Nein? Vielleicht?“

  1. Liegt im Klinik Gedanken nicht auch , verborgen, andere Ablenkungen und Handlungen mit auf den Weg zu bekommen, weil es vielleicht so wie es gerade ist nicht geht_bleiben kann?

    … nur ein Miss Gedanke dazu. Entscheidungen die Veränderung bedeuten oder auch das verändern von Mustern (machen vielleicht Angst) sind manchmal schwer zu treffen, doch ohne es zu probieren wirst du es wohl nicht erfahren. Veranderungen oder auch nach_innen fühlen braucht manchmal ein wenig wageMut.

    …mit blauen 🐘 Grüßen
    (Hoffe Miss war jetzt nicht anmassend, doch manchmal wollen worte mitgeteilt werden, wünsche dir alles gute, egal wie du dich entscheidest)

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar 🙂 mit „auffangen“ etc. meine ich tatsächlich auch alternative Handlungsstrategien zu entwickeln, die nicht mir oder anderen schade. Da hast du auf jeden Fall Recht! Das ist sehr wichtig. Denn diese ganzen Verhaltensweisen sind ja auch zu etwas gut und können nicht einfach so gestrichen werden. Das wär ja zu einfach 😀 😀

      Gefällt 1 Person

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