Wo würdest du jetzt sein, wenn du überall sein könntest?

Ich sitze im Park .
Angelehnt an einen riesigen Baum.
Unter mir die trockene Erde. An meinem Rücken spüre ich die rissige, harte Rinde.
Die Sonne scheint mir durch die Baumkronen angenehm ins Gesicht.
Ein kühlender Wind weht und mit jedem Windstoß regnet es die Hüllen der aufgeplatzten Knospen herab.
Der Frühling kommt. Nein, der Frühling ist da. Das lässt sich nicht mehr leugnen.
Und es ist wunderbar.

Auch, wenn es mir trotzdem nicht wirklich gut geht, hilft das schon ungemein irgendwie klarzukommen und nicht all zu sehr in die Depression zu verfallen. Denn diese Luft einzuatmen, in einer Zeit , in der mir immer wieder die Luft wegbleibt, ist so wertvoll. Ich würde am liebsten das Dach und die Mauern meiner Wohnung abtragen und ausschließlich diese frische Luft atmen.

Obwohl ich mich an einen einsamen Ort wünsche, schätze ich gerade den Trubel, der hier herrscht. Kindergeschrei vom Spielplatz, Gespräche aus allen Richtungen, Gitarrenmusik von gegenüber und sogar die Motorengeräusche, die von der Hauptstraße herüberschallen. Denn ich kann alleine sein und bin doch nicht alleine. Ich kann in mich gehen und doch im Außen sein. Und das gibt mir einen gewissen Schutz. Sicherheit.

Menschen, die die Natur genießen wollen. Die Zeit brauchen zum Nachdenken. Zeit mit Freunden verbringen. Alles ist erlaubt, solange niemand dadurch zu Schaden kommt. Ich weiß nicht was es ist. Aber ich habe das Gefühl, dass mich etwas mit all diesen Menschen vereint. Fremd und doch total vertraut. Wenn ich die Menschen hier beobachte, sehe ich sie viel vorurteilsfreier an, als wenn sie mir in der Innenstadt, im Bus oder sonst wo begegnet wären. Hier darf einfach jeder sein, wie er will. Warum ist das so? Warum macht mich dieses Fleckchen grün inmitten der Stadt toleranter, als auf betonierten Straßen?Ich kann es nicht beschreiben, aber hier herrscht einfach eine andere Energie , die uns alle verbindet.
Ob wir wollen oder nicht.

Und während ich barfuß über den erdigen Boden laufe, stelle ich mir die Fragen:Wo würde ich jetzt sein, wenn ich ÜBERALL auf der Welt sein könnte? Was würde ich jetzt in diesem Moment tun, wenn mir alle Möglichkeiten offen ständen?

Ich wäre genau hier. An diesem Ort, zu dieser Zeit und ich würde genau das tun, was ich jetzt gerade tue.

Mein Gehirn trickst mich immer wieder aus, indem es mir sagt: Wenn nur *das und das* anders wäre, dann wärst du glücklich.
Gestern Abend lag ich in meinem Bett und konnte mal wieder nicht schlafen. Ich war traurig, wütend, verzweifelt, hoffnungslos und erfüllt von Schmerz. Und das Schlimmste daran war, dass ich einfach nicht herausbekam, warum. Und während ich so vor mich hin litt, kam mir wieder eine Frage in den Kopf. Wenn du jetzt in deinem großen Traum, dem Van, liegen würdest. Was wäre dort anders? Inwiefern verändert der Van das Gefühl, dass du jetzt spürst?
GAR NICHT. Ich würde wohl den gleichen Schmerz spüren. Die gleiche Hoffnungslosigkeit. Die gleiche Traurigkeit.
Nur halt an einem anderen Ort.
Und da ist mir mal wieder klar geworden, was ich eigentlich schon lange gewusst habe:
Mein Glück, Mein Schmerz, das Leid… Das alles ist nicht von äußeren Dingen abhängig.
Es kann vielleicht in geringem Maßen begünstigt werden und das soziale Umfeld hat wieder einen größeren Einfluss, aber im Endeffekt liegt der Schmerz in mir. Und die Verarbeitung des Schmerzes, wird auch nur in mir geschehen können.
Nichts was im Außen passiert, vor allem nichts so oberflächliches wie Wohnort, Besitz und Kontostand, wird diesen inneren Schmerz heilen können. NICHTS.

Das ist ja eine schöne Erkenntnis, aber ich weiß nicht, wie ich den Schmerz heilen soll. In mir.
Deshalb suche ich ja die Lösung im Außen. Weil ich sie in mir nicht finden kann.
Aber auch dort werde ich sie niemals finden.
Ich WEIß ja, dass sie in mir ist. Aber es ist so schwer hinzuhören. Hinzuschauen und zu fühlen. So verdammt schwer.

Aber ich möchte das wieder zu meiner Priorität machen. Denn wenn der Schmerz bleibt, dann bringt mir keine Reise, kein Job der Welt und kein Van Erfüllung.

Auch, wenn wirkliche Entspannung etwas anderes ist, fühle ich mich entlastet.
Ich habe Angst, ja. Angst vor dem was kommt. Angst vor dem Schmerz. Und das ist okay.
Und es war auch vollkommen okay im Außen nach der Lösung zu suchen. Es ist doch wunderbar, dass ich jetzt wieder erkenne, dass es nicht der richtige Weg war.
Das nimmt gerade so einiges an Last von meinen Schultern.

 

Tschao Kakao.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s