Die Waage und ich: Eine Hass-Liebe

Ich kann es kaum glauben.

Gestern Abend habe ich tatsächlich die Batterien aus meiner Körperwaage genommen und sie selbst in den Keller verbannt.
Schon seit einigen Tagen hatte ich den Gedanken, aber habe es doch immer wieder verworfen.
Vor allem aus zwei Gründen.

  1. Aus Angst. Angst die Kontrolle zu verlieren und nicht zu sehen, wenn ich maßlos zu- oder abnehme (ja, meine Körperwahrnehmung ist etwas verzerrt) und
  2. weil ich gemerkt habe, dass der Impuls nicht aus mir heraus kam. Ich hatte diese Stimmen in meinem Kopf, die mir sagten: Wenn du gesund werden willst, musst du die Waage aus deinem Leben verbannen. Da waren sie wieder. Die Regeln eines Anderen. Und ich habe mich jedes Mal dagegen entschieden, weil es eben nicht aus mir heraus kam.
    Aber genau dadurch, dass ich mich dagegen entschieden habe und mir somit erlaubt habe, diesen Regeln nicht zu folgen, hat sich in mir der Wunsch breit gemacht, ein Leben ohne Wiegezwang zu führen.
    Mir ist natürlich bewusst, dass es nicht unbedingt förderlich für die physische und psychische Gesundheit ist, 15 mal am Tag auf die Waage zu steigen, aber um meinen Weg zu finden, musste ich mir erstmal alle anderen und auch bisher gegangen Wege erlauben.
    Dadurch ist mir mal wieder aufgefallen, was wahrhaftige Akzeptanz alles bewirken kann, aber dazu in einem anderen Post.

Seit Jahren besteht diese Hass-Liebe zwischen mir und der Waage.
Manchmal habe ich sie aus Angst gemieden, dann wieder bin ich mehrmals täglich draufgestiegen. Worüber ich heute nur den Kopf schütteln kann.
Es war mir nicht möglich mich mit Kette, Ohrringen oder gar in Unterwäsche zu wiegen. Es hätte ja das Ergebnis verfälschen können.

In den extremen Zeiten war der zweite Gedanke am Morgen (nach „Scheiße, schon wieder ein neuer Tag“), „Wie viel wird wohl heute auf der Waage stehen?“.
Ich habe Listen geschrieben, mir Tages-, Wochen- und Monatsziele gesetzt.
Habe genau Buch darüber geführt und konnte oft auf 100 Gramm genau einschätzen, wie viel ich zu- oder abgenommen habe.
Das alles ist gar nicht so weit weg. Bis vor 6 Wochen steckte ich noch in diesem Teufelskreis. Bis ich irgendwann sogar Angst hatte Wasser zu trinken, weil das ja auch auf der Waage zu sehen ist. Und der jetztige Stand ist alles andere als stabil. Ich schwanke. Und nicht selten will ich einfach nur dahin zurück. In diese vertrauten Muster.
Was mir die Essstörung und der Kontrollzwang bezüglich Gewicht und Essen geben, habe ich bisher nur teilweise herausgefunden. Aber ich bin auf dem richtigen Weg und werde entweder Antworten auf die Fragen finden oder gar keine mehr brauchen. Das wird sich zeigen.

Und ob die Waage dort bleibt, wo sie jetzt ist, steht auch in den Sternen.
Sollte ich das Gefühl haben, diese Kontrolle wieder zu brauchen, dann werde ich mir das erlauben. Und wenn ich sie endgültig aus meinem Besitz verbannen will, dann auch gerne das.

Aber für JETZT fühlt sich die Entscheidung sehr richtig an und ein, zwei Steinchen sind gestern dabei von meinen Schultern gepurzelt.

Tschao Kakao.

Ein Gedanke zu „Die Waage und ich: Eine Hass-Liebe“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s