Momentaufnahme #4: Therapie & Visionen

Therapiestunde. Eigentlich wollten wir aufgrund der Weisheitszahn OP eine Heilungsmeditation machen. Aber ich hatte zwei Sachen auf dem Herzen, die ich unbedingt mit ihr besprechen wollte.

Thema Wünsche und Träume. Denn das ist, was mich die letzten Tage und vor allem gestern sehr beschäftigt hat. Ich habe viele und große Träume. Außergewöhnliche. Vielleicht ein bisschen quer und verrückt. Verrückt nicht im negativen Sinne, sondern von der Norm ver-rückt.
Aber die Stimmen in meinem Kopf sind gerade so laut. Total unrealistisch. Das schaffst du eh nie. Lern lieber was gescheites. Kind, du brauchst eine Ausbildung. Was, wenn es nicht klappt. Niemand nimmt dich ohne Qualifikation. Wovon willst du leben? Was ist mit deiner Rente? Träumen ist ja fein, aber komm mal wieder auf den Boden usw.

All das. All die fremden Gedanken schwirren durch meinen Kopf und machen mich fertig. Es macht mich fertig, weil es nicht meiner Wahrheit entspricht. Als ich fest daran geglaubt habe, dass ich es schaffe, war ich glücklich, energiegeladen und hoffnungsvoll. Jetzt, wo diese Gedanken wieder im Vordergrund stehen, zweifel ich alles an und mir geht es nicht gut. Das sollte mir zeigen, dass ersteres für mich der richtige Weg ist.
Das, was mir sagt, dass es sowieso nicht klappt, lässt mich in die Depression fallen.
Weil ich meine Wahrheit nicht ernst nehme und Stimmen anderer über sie stelle.
Ist doch logisch, dass das zu depressiven Verstimmungen führt.
Ich konnte auf Nachfrage nicht mal über meine Visionen mit Frau A. sprechen, weil die Stimmen so laut waren und ich Angst hatte, auch sie würde es verurteilen. „Süß, die Kleine. Hat noch so große Träume. Naja, die wird auch mal im Leben ankommen.“
Und dann war da die Scham, dass ich es wage groß zu Träumen.
Ich kleiner, unbedeutender Mensch, kann doch nicht so groß Träumen und glauben,
dass ICH das schaffe. Es gibt viele, die solche oder ähnliche Träume haben. Aber nur die mutigen, bedeutenden, großen Menschen machen es wahr. Und zu denen gehörst du nicht.

STOP! STOP! STOP!
Ich weiß nicht, wo du herkommst. Ich weiß nicht, warum du mir das einreden willst. Aber ich glaube dir nicht. Ich glaube nicht, an deine Worte. Wahrscheinlich willst du mich beschützen. Vor Spott und Kritik. Aber glaube mir, ich nehme lieber den Spott in Kauf, als meine Träume aufzugeben, mich klein zu machen und ein Leben zu führen, dass ich nicht will. Denn ansonsten will ich gar nicht leben. Ein Leben, nach den Vorstellungen und Regeln anderer zu führen, macht für mich keinen Sinn. Ich bin ein eigenständiger, unabhängiger Mensch und genau so will ich auch denken und handeln. Ich danke dir, dass du mich beschützen willst, aber in diesem Fall brauche ich diesen enormen Schutz nicht. Denn ich vertraue darauf, dass selbst wenn es nicht klappt, das Leben weiter geht. Es geht weiter. Irgendwie. Ich kann meine Meinung ändern und ich kann andere Visionen entwickeln. Aber ich will nicht mehr warten.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, morgens vom Wecker aufgeschreckt zu werden, um 8 auf der Arbeit zu sein und an dem Traum eines anderen zu arbeiten.
Ich glaube, deshalb hat mich die Arbeit bei *einer bekannten Supermarktkette* auch so fertig gemacht. Weil ich vollkommen gegen meine Werte gehandelt habe. Ich habe Dinge verkauft, die Menschen- und Tierleid inne tragen. Die die Menschen krank machen und die Erde noch dazu. Und wurde dafür bezahlt. Hatte das Gefühl nicht auf Augenhöhe behandelt zu werden und dass irgendein großer da oben mit der Arbeit uns kleinen Mitarbeitern, sich eine goldene Nase verdient, während wir Mindestlohn bekommen, für eine Arbeit, die für mich ethisch nicht vertretbar ist und absolut keinen Sinn macht, wenn wir doch alle Nahrung die wir brauchen, in der Natur finden.

Disclaimer: Versteht mich bitte nicht falsch. Auch ich kaufe nicht selten im Supermarkt. Verwende Plastik. Esse Tierprodukte und kaufe (zum Glück nur noch selten) Kleidung aus Kinderhänden. Aber auf lange Sicht gesehen möchte ICH das nicht mehr.

Ich habe mich lange verurteilt dafür, dass ich diesen Job nicht einmal ein halbes Jahr durchgehalten habe und das mit einer Stundenanzahl von 12 Stunden pro Woche. Was soll nur aus mir werden, wenn ich nicht mal das schaffe. Du stellst dich total an. Reiß dich zusammen. Irgendwie musst du deinen Lebensunterhalt verdienen.

Und jetzt, verstehe ich. Verstehe, warum mich diese Arbeit komplett fertig gemacht hat. Warum meine Essstörung, die Depressionen und das selbst verletzende Verhalten in dieser Zeit enorm mächtig wurden. Nicht, dass das der einzige Grund dafür war, dass ich wieder einmal so tief gefallen bin, aber es war auf jeden Fall ein nicht zu verkennbarer Teil.
Und jetzt in diesem Moment sitze ich hier und bin einfach nur dankbar. Dankbar, für diese Erkenntnis. Dankbar, dass ich mir eigentlich voll und ganz vertrauen kann. Das die Depressionen nicht kommen, weil sie Spaß dran haben und ihnen gerade langweilig ist. Sie kommen, um mich davon abzuhalten, gegen meine Wahrheit zu handeln.

Darum ging es gar nicht in der Therapie, aber deshalb liebe ich das schreibe. Weil es so viel offen legt 🙂
Jedenfalls habe ich Frau A. nicht von meinen Visionen erzählen können, weil die Stimmen so laut waren und sie hat es auch nicht verlangt. Wir sind dann anders herum herangegangen und sie hat gefragt, wie denn mein Umfeld hätte sein müssen, damit ich keine große Bedenken diesbezüglich hätte?!
Ich hätte in einer Welt aufwachsen müssen, wo die oberste Regel, die Bedürfnisse der einzelnen Person sind. Wo es kein normal und unnormal gibt. Wo jeder auf sein Herz hören darf und das auch kann, also nicht durch gesellschaftliche Zwänge verlernt.
Eine Welt, in der niemand seine Regeln als allgemein gültig bezeichnet.
Wenn ich so Titel lese wie: „Mit diesen 5 Tipps wirst du garantiert schlank“ oder „3 Tipps, die dich auf jeden Fall endlich erholsam schlafen lassen“, dann bekomme ich echt einen Föhn! Wie ich bereits in meinem letzten Post geschrieben habe:
Deine Regeln, sind nicht meine Regeln.

Wir haben heute sehr viele Stimmen aufgedeckt, ihnen Raum gegeben und geguckt, wo sie eventuell (teilweise) herkommen könnten. Außerdem haben wir viel mit Zeugen und Umkehrung gearbeitet.
Das heißt: Nehmen wir mal das Beispiel Essen. Es lässt sich jedoch auf jeden Glaubenssatz/ jede Stimme anwenden.

Stimme: „Du musst mindestens 3 mal am Tag zu einer (ungefähr) bestimmten Uhrzeit essen“
Zeuge: „Ich sehe, wie tief dieser Glaube in dir verankert ist. Aber wie bedrückend er auch ist. Einschränkend. Ich sehe, wie bitter es für dich ist, dass du dich immer wieder an diese Regel zu halten versuchst, obwohl sie die Produktion eines anderen ist.“
Umkehrung (ideales Gegenüber/ ideales Umfeld): Wenn ich dein ideales Gegenüber wäre, ohne Aspekt eines realen Menschen oder der realen Gesellschaft, dann hätte ich dir von Anfang an gesagt und vorgelebt, dass alles, was du wissen musst in dir ist und dass nichts, was für jemand anderen funktioniert, auch für dich funktionieren muss. Ich hätte dir nicht vorgeschrieben, wann du was zu essen hast, sondern wir hätten gemeinsam darauf vertraut, dass dein Körper mit dir frei kommunizieren kann und dir sagt, was gut für ihn ist. Ich hätte dir vorgelebt auszuprobieren, zu prüfen und entweder etwas für dich anzunehmen oder abzulehnen. Die Annahme oder Ablehnung muss nicht für immer sein. Du kannst sie jederzeit neu überprüfen oder anpassen. Eine Regel, die für dich funktioniert, muss nicht für immer bestehen.

*nachfühlen*
Passend? Unpassend? Vollständig? Unvollständig?
Zeuge: „Ich sehe, wie passend  und frei sich diese Version anfühlt und wie sehr du dich danach sehnst, deinem Körper wieder dieses 100 prozentige Vertrauen zu schenken.

Bei der Umkehrung geht es nicht darum, einen Menschen oder eine Lebensweise schlecht zu machen. Es geht nur darum, zu sehen, dass die eigene Wahrnehmung nicht unsinnig ist. In einem anderen Rahmen, wäre es total natürlich gewesen. Das bedeutet, dass es machbar ist.

Nach der Therapie geht es mir jetzt auf jeden Fall wesentlich besser. Auch, wenn die Stimmen immer noch sehr laut sind. Aber es sind halt auch nur Stimmen. Gedanken und Überzeugungen anderer, die ich übernommen habe. Und mehr nicht.

Ich werde meine Träume nicht einfach Träume sein lassen.
Was ist mit Dir?

Träumst Du noch oder lebst du schon?

 

Tschao Kakao

3 Kommentare zu „Momentaufnahme #4: Therapie & Visionen“

  1. Ich glaube, du bist auf dem besten Weg, die „anderen Stimmen“ nicht siegen zu lassen. Mir scheint, als hättest du dich im Herzen bereits entschieden. Zweifel sind in dieser Situation sicher völlig normal und ich glaube je öfter du dich daran erinnerst, warum du döse Entscheidung triffst, desto sicherer wirst du dir damit sein 🙂

    Liebe Grüße!

    Gefällt 3 Personen

  2. Zweifel sind normal und bis zu einem gewissen Grad ja auch gut, um sich in alle Richtungen schauen zu lassen!
    Mein Sprung ins Studium, trotz Erkrankung, war gleichzeitig ein Sprung ins kalte Wasser. Besonders nach den Erfahrungen aus meinem letzten Studium. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Es wird länger „als normal“ dauern. Aber auch ich habe eine Vision und für die kämpfe ich. Also… Warum nicht? Wenn man es gar nicht erst versucht, wird man nie wissen, ob es geklappt hätte.
    Alles Liebe dir und deiner Vision

    Gefällt 2 Personen

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