#kimspiriert – Darf ich trauern?

Dieser Moment. Ich erinnere mich noch genau.

Es war der 01.01.2018.
Ich hatte eine wundervolle Nacht hinter mir und einen tollen Start in das neue Jahr.

Nachdem meine beste Freundin den Heimweg angetreten war, saß ich mit einer Zigarette auf der Terrasse und checkte Social Media. Und dann sah ich, was ich eigentlich schon gewusst habe. Woher auch immer.

Mit tiefer Trauer müssen wir, die Freunde und Familie von Kim, euch lieben Menschen da draußen mitteilen, dass sie den schweren Kampf gegen den Krebs heute Nacht verloren hat.

Ich schreibe diese Zeilen mit Tränen in den Augen, weil ich es immer noch nicht glauben kann. Die Vorstellung, dass Du mit nur 30 Jahren und diesem unbändigen Lebenswillen gehen musste, ist für mich unbegreiflich.
Ich kannte Dich nicht. Nicht persönlich. Ich habe Dich nie live und in Farbe gesehen, nie mit Dir gesprochen, ja, nicht mal ein persönliches digitales Wort mit Dir gewechselt. Also nicht aktiv.


Social Media verbindet

Es ist verrückt, dass mich der Tod von Dir so erschüttert hat.
Tag täglich sterben Menschen. Ob jung oder alt.
An Krebs, Herzinfarkten, durch Suizid oder Unfälle.

Du warst… Bloggerin? Influencerin?
Wie auch immer man es nennen mag. Du warst ein Mensch.
Du hast Dein Leben auf Instagram geteilt. Jeden Tag sah ich mir Deine Storys an.
Alles fing an mit dem Sport und dann die erschütternde Diagnose: metastasierender Brustkrebs.
Und Du hast dich dafür entschieden, auch diesen Weg zu teilen.
Und ich bin mir sicher: Du würdest die Entscheidung noch einmal treffen, denn Du hast so viele Menschen bewegt. Ihnen geholfen. Mut gemacht.

Für mich gab es bis zu einem bestimmten Punkt nicht die Option, dass Du daran sterben würdest. Trotz vieler Tiefen, warst Du so stark. Egal wie schwach Du warst. Schon allein, dass Du die schweren Zeiten mit uns allen geteilt hat, beweist Stärke.
Du warst die Löwin. Und es war einfach nicht daran zu denken, dass der Löwe gegen die Zecke verliert.

Und doch ist es so gekommen.

Auch, wenn Du immer weniger geteilt hast, warst Du immer präsent und irgendwann schlich sich der bittere Gedanke in meinen Kopf, dass Du es nicht schaffen würdest. Dass es zu spät war. Dass Du deine Aufgabe auf dieser Welt schon erledigt hast.
Und das mit 30 Jahren. Respekt an dich, liebe Kim ♥

Und nach deinem Tod habe ich getrauert. Habe geschwiegen. Nachgedacht. Versucht Worte zu finden, wo es keine gab. Habe mich zurückgezogen und an DICH gedacht. Und an Chris. Und Inken. Und an deine Geschwister. Und deinen Vater. Und an alle, die dir nahestanden.
Wie es ihnen wohl geht. Wenn mich schon diese Traurigkeit so überkommt.

Der Gedanke daran, wie es ihnen gehen musste, überstieg meine Vorstellungskraft. Eigentlich bis heute.

Ich habe geweint. All deine Texte nochmal gelesen.
Und ich habe mich gefragt, ob ich das überhaupt darf.
Darf ich um jemanden trauern, den ich eigentlich gar nicht kannte?
Darf ich um jemanden weinen, der gar nicht gewusst hat, dass es mich gibt?

Ich habe mich verurteilt dafür, dass ich um Dich weine.
Ich habe aus deinem Leid, meines gemacht.
Und das tut mir leid, Kim.

Aber eines möchte ich demjenigen, der das hier liest mitgeben:
Du darfst trauern, wenn du traurig bist. Es gibt kein falsch und kein richtig.
Wenn das Gefühl in dir ist, dann fühle es. Und wenn nicht, dann nicht.
Es gibt keine Vorschriften für Gefühle. Du musst sie nicht kontrollieren und nicht regulieren. Du darfst sie fühlen. Ganz egal, ob dir jemand oder auch etwas in deinem Kopf sagt, dass du nicht das Recht dazu hast. Es sind DEINE Gefühle und sie haben einen Zweck. Auch, wenn du ihn vielleicht noch nicht kennst.

Mach es gut Kim! Wo auch immer du bist ♥

Ein Gedanke zu „#kimspiriert – Darf ich trauern?“

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