Mein geliebtes Herz!

Ich schreibe dir mit offenem Geist und versuche aus jeder Pore meines Seins einen Rest Liebe herauszufiltern. Denn seit du gegangen bist, ist mir nicht viel geblieben.Du, mein Herz, hast die Liebe mitgenommen. Du hast das Leben mitgenommen. Die Freude. Mein Lachen. Aber vor allem, hast du alle deine Facetten mitgenommen. Jeden Zentimeter. Alles, was uns zusammengehalten hat. Alles, was uns vereint hat, ist nicht mehr da. Was mir bleibt ist Leere. Eiskalte Leere. Ich fühle nicht mehr.
Wenn du nicht wiederkommen willst, dann schick mir wenigstens ein Gefühl. Meinetwegen die Angst oder die Scham. Es ist einfacher damit zu leben, als ohne alles. Als eine Hülle, die nur funktioniert.
Es ist wohl fast unmöglich. Aber ich bitte dich, mir zu verzeihen. Jede Zelle meines Körpers sehnt sich nach dir. Ohne dich kann ich nicht sein. Ohne dich will ich einfach nicht sein. Was ist das für ein Leben? Die Vernunft im Kopf. Die Gedanken. Die Gefühle der anderen. Aber keine eigenen mehr zu haben?! Denn ohne dich, habe ich keine Orientierung. Ohne dich, weiß ich nicht wer ich bin. Ohne dich, BIN ich nicht.

Du gehörst du mir, mehr als alles andere. Ich kann ohne Bein leben, ohne Haare und ohne Augenlicht. Aber nicht ohne dich. Es geht nicht.
Ich habe schon längst keine Angst mehr vor dem Tod, denn nichts könnte schlimmer sein, als ohne dich zu leben. Ohne dich ist die Hölle auf die Erde zu mir gezogen.
Das einzig positive daran ist, ich kann nichts mehr verlieren. Denn ich habe alles verloren. Dich. Mein Herz. Mein Leben. Mich.

Ich habe dich verraten. Ich habe dich unterdrückt. Dich ausgelacht. Mich für dich geschämt.

Ich habe alles für wichtiger genommen als dich. Und jetzt, wo du weg bist, merke ich, dass alles bedeutungslos ist. Dass du meinem Leben einen Sinn gibst. Dass wir nur zusammen existieren können.
Ich würde dir gerne sagen, dass ich dich liebe, aber du hast sie mitgenommen… die Liebe. Da ist nichts mehr. Ein schwarzes Loch, wo du mal für mich geschlagen hast. Für uns. Für unser gemeinsamen Leben.

Ich verspreche dir. Wenn du nur zurück kommst: Ich werde dich verehren. Ich werde nichts mehr wichtiger nehmen, als deine Anwesenheit. Als deine Worte, die du an mich richtest. Ich werde zuhören, wann immer du mir etwas sagen willst. Ich werde fühlen, was auch immer du mich fühlen lassen willst.
Ich will mit dir bis an das Ende meines Lebens…unseres Lebens..gehen. Dir vertrauen.

Es ist traurig, dass ich das jetzt erst merke. Dass ich all das erst jetzt verstehe, wo du weg bist. Dass ich nicht sehen konnte, welche Rolle du in meinem Leben spielst und, dass du immer für mich da warst. Dass du es warst, der mich im letzten Moment vor dem Schlag gerettet hat.
Und ich dachte es wäre meine Vernunft gewesen. Meine Intelligenz. Ich wisse ja, wie das Leben funktioniert. Habe alles darüber gelernt, was es zu lernen gibt. Und jetzt stehe ich da und merke, dass ich ohne dich überhaupt nichts weiß. Nichts ist mehr, wie es war. Nichts ist mehr, wie es sein sollte. Ohne dich bringt mir all mein Wissen nichts.

Bitte vergib mir. Bitte vergib mir meine Ignoranz. Dass ich meine Augen verschlossen habe, vor etwas so klarem und wunderbarem wie unsere Beziehung. Ich weiß nicht, wann es passiert ist. Wann ich beschlossen habe, „vernünftig“ zu sein. Aber was ist schon Vernunft?
Das einzig wahrlich vernünftige wäre gewesen, die Verbindung zwischen uns nicht verrosten zu lassen.
Ich weiß, du hast alles versucht. Erst im Rückblick sehe ich all deine Hilferufe. Deine Weckrufe. Ich sehe, wie sehr du nach meiner Aufmerksamkeit verlangt hast. Aber ich habe es nicht gehört. Denn ich habe zu sehr meinen Gedanken zugehört und vertraut.
Doch die sind vergänglich. Sie kommen und gehen und verändern sich stetig.
Aber du. Du bist meine Konstante. Mein Anker, wenn ich zu ertrinken drohe. Auf dich kann ich vertrauen. Du warst immer für mich da. Ohne wenn und aber. Bedingungslos.
Und ich kann so gut verstehen, dass du gehen musstest.
Ich bin nicht sauer auf dich. Nicht enttäuscht von dir. Denn ich habe dir keine andere Wahl gelassen.

Mein wundervolles, weiches Herz. Bitte komm zu mir zurück.
Ich es ist unverzeihlich, was ich getan habe.
Aber nichts uns niemand ist mit so viel Liebe bestückt wie du es bist.
Wenn einer das Unmöliche möglich machen kann, dann du.

Ich werde auf dich warten. In jedem Augenblick. Ob ich schlafe oder wache.
Für immer.

In alle Ewigkeit.

 

Übung: Brief ans Herz aus dem Buch „Rewrite your life“ von Tatijana Milovic

Stell dir vor, dein Herz hat sich von dir verabschiedet. […] Viel zu anstrengend war es ihm, immer nur für dich zu schlagen, ohne Anerkennung dafür zu bekommen.

 

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8 Kommentare zu „Mein geliebtes Herz!“

      1. Spannend – ich auch. Dann wird man vielleicht das ein oder andere mal parallel Übungen daraus machen 😀 wobei ich aktuell nicht wirklich viel lese und besonders für sowas braucht man ja Zeit (und Nerven). Ich freu mich in Zukunft mehr von dir zu lesen 🙂

        Gefällt 1 Person

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