Brief an meine Ängste.

Ich habe Angst.

Furchtbar viel Angst.

Vor was? – Vor allem. So ganz grundsätzlich.

Angst, jemanden zu verlieren
Angst, zu verletzten.
Angst, verletzt zu werden.
Angst, vor dem allein sein.
Angst, vor anderen Menschen.
Angst, zu bereuen.
Angst, dass ich wieder falle.
Angst, enttäuscht zu werden oder zu enttäuschen.
Angst, verurteilt zu werden.
Angst, einzuschlafen.
Angst, am morgen wieder aufzuwachen.
Angst, in der Dunkelheit.
Angst, falsch oder gar nicht erst verstanden zu werden.
Angst, nicht gemocht zu werden.
Angst, die Kontrolle zu verlieren.
Angst, zu versagen.
Angst, in den Spiegel zu schauen.
Angst, meinen Ansprüchen nicht zu genügen.
Angst, Erwartungen nicht erfüllen zu können
Angst, abgelehnt zu werden.
Angst, vor Konflikten.
Angst, dass es zu schön ist um wahr zu sein.
Angst, zu laut zu sein.
Angst, zu leise zu sein.
Angst, aufzufallen.
Angst, vergessen zu werden.
Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.
Angst, vor Stillstand.
Angst, vor Veränderung.
Angst, vor Berührung.

Klingt das für Dich auch so verwirrend, wie es sich für mich anfühlt?
So viele Gegensätze. So viel Zerrissenheit. Und so wenig Vertrauen.

Ich glaube, das ist es. Vertrauen.
Selbstvertrauen. Vertrauen in die Menschen. Vertrauen ins Leben.

Es gibt nur zwei „echte“ Gefühle: Liebe und Angst.
Entweder zu handelst aus Liebe oder eben aus Angst.
Und ich handle meistens aus Angst.

Ich bringe mehr Liebe in mein Leben. Mehr Vertrauen.

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Das heißt auch, meinen Ängsten mit Liebe zu begegnen.

Meine lieben Ängste!

Es ist okay, dass ihr da seid.
Ich weiß, dass es euch gibt und ich höre euch an.
Sagt mir, was ihr befürchtet.
Sagt mir, wovor ihr meint mich beschützen zu müssen.
Und ich sage euch, dass ich euch dankbar dafür bin, dass ihr mein Schutzschild sein. Aber, dass es an der Zeit ist, jedem von euch persönlich in die Augen zu sehen,
zu prüfen, ob wir noch zusammen passen und uns gegebenenfalls voneinander zu verabschieden.
Denn ich brauche viele von euch nicht mehr.
Ihr ward mir dienlich.
Ihr ward wunderbare Begleiter auf einem schwierigen Weg,
aber nun wird es Zeit, dass sich unsere Wege trennen.
Ich werde euch nicht von mir stoßen.
Ihr dürft weiterhin Berater an meiner Seite sein.
Aber ihr werdet mich nicht länger komplett bestimmen. Mich ausfüllen.
Es wird Zeit, den Stab weiterzugeben.
Es wird Zeit, euch frei zu lassen.
Euch nicht länger festzuhalten.
Danke, für all eure Warnungen. All den Schutz.
Und Respekt für euer Durchhaltevermögen.
Ihr dürft euch jetzt ausruhen. Ihr habt eure Aufgabe erfüllt.

In voller Liebe

Judith

3 Kommentare

    1. Wow, so schön zu hören, dass ich dich berühren kann mit meinen Texten.
      Ich weiß, was du mit dieser Leere meinst. Und ich wünsche dir von Herzen , dass du irgendwann den Mut hast, die Schritte zu gehen und dann zur Liebe gelangst. Wenn auch auf Umwegen. Ich weiß, dass es sich lohnt. 💞

      Gefällt 1 Person

  1. Hey! Dein Brief an deine Ängste hat mich sehr, sehr gerührt. Ich selbst leide u. a. an einer Angststörung und empfinde nur selten sowas wie „liebe Worte“ für meine Ängste..wenn die Panikattacken kommen empfinde ich nur Hass und Wut, vielleicht kann ich aber irgendwann so empfinden wie du 🙂 Danke für deinen Blog ❤ Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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